Warum selbst kluge Menschen im Internet dumm werden

Kluge Menschen werden im Internet nicht plötzlich dumm, weil sie zu wenig denken. Das Problem beginnt früher: Ein Satz trifft uns, ein Kommentar provoziert uns  und noch bevor wir geprüft haben, was wirklich passiert ist, steht unser Urteil bereits fest. Erst kommt der Impuls, dann die Einordnung in „wir“ und „die anderen“  und erst danach beginnt unser Verstand zu arbeiten.

Die Stoiker kannten diesen Moment lange bevor es Kommentarspalten gab. Epiktet fordert dazu auf, einen Eindruck anzuhalten und zu prüfen, bevor man ihm zustimmt. Seine Geschichte von der gestohlenen Lampe stellt dabei eine unbequeme Frage: Was bist du bereit, für einen vermeintlichen Sieg herzugeben? Aufmerksamkeit, Zeit und Ruhe können dir andere nehmen, aber ob du ihnen auch deinen Charakter hinterherschickst, entscheidest du selbst.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie gewinne ich die nächste Diskussion? Sondern: Wie verhindere ich, dass ein fremder Satz die Kontrolle über mein Denken übernimmt?

Quellen

[1] Out-group animosity drives engagement on social media

https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2024292118

[2] Motivated numeracy and enlightened self-government

https://www.cambridge.org/core/journals/behavioural-public-policy/article/abs/motivated-numeracy-and-enlightened-selfgovernment/EC9F2410D5562EF10B7A5E2539063806


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Von André Schütz

Gründer von Stoa Novus, Softwareentwickler, Autor,
Praktiker an der Schnittstelle von Stoizismus, Wissenschaft, KI und Selbstführung.

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